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Rudolf Petrausch ist neben seinem Fahrschullehrer Platz genommen. Er setzt den Blinker, parkiert ein und bremscht – das Auto kommt zum Stehen. Anschließend nimmt er die Gangschaltung vor und gibt Gas – genau wie bei einem durchschnittlichen Fahrunterricht oder während eines Führerscheintests.

Rudolf Petrausch, im Alter von 80 Jahren, ist am Lenkrad platziert. Er fahren sicher und selbstsicher. Der Borgsdorffer besitzt seit vielen Jahrzehnten den Führerschein. Dennoch möchte er seine Fahrfähigkeiten bei einem Fahrlehrer aus Schildow überprüfen lassen.
Freiwillig durchführt er einen Checkdrive, der 55 Minuten dauert. Warum? „Ich habe es getan, um sicherzustellen, dass weder mir noch anderen etwas passiert“, betont Rudolf Petrausch.
Jean-Pierre Massenth hat den 80-jährigen Mann begleitet. Der Fahrlehrer glaubt fest daran, dass Rudolf Petrausch ein zuverlässiger Autofahrer bleibt. „Seine Fahrensarten sind mindestens so gut wie vor 30 oder sogar 40 Jahren“, betont Massenth.
Alter Flugleidung: 80-Jähriger am Steuer des Flugzeugs
Rudolf Petrausch hat diese Art von Prüfungen für die Fahrtauglichkeitsbescheinigung nicht nur vom Auto kennen. Als Pilot verfügt er über eine Vielzahl an Lizenzien. „Neben dem Motorradschein und Führerschein besitze ich auch noch den Bootsführenschein sowie den Flugschein“, teilt der Bewohner aus Borgsdorf mit.
Jede Person, die Pilot ist, muss jedes Jahr einen Flug mit einer zugelassenen Prüfperson durchführen, damit sie weiterhin fliegen darf. Alle zwei Jahre benötigt man zudem eine ärztliche Untersuchung. Diese beiden Überprüfungen gelten unabhängig von ihrem Alter als obligatorisch. Ob jemand 20 Jahre alt oder Herr Petrausch ist – beide müssen für den Kontrollflug zur gleichen Anzahl anprüfen lassen.
Er erklärt: „Ich pilotiere ausschließlich kleinere, einmotorige Flugzeuge“. Diese Art von Fluggastzeugen verfügt über lediglich eine einzelne Motorkraftanlage und wird primär für persönliche oder freizeitorientierte Ziele eingesetzt. Ein Beispiel dafür wären Erholungsreisen oder leisureflights. Rudolf Petrausch sowie seine Ehefrau bemerken dazu: „Ab und zu fliegen wir nach Magdeburg, um uns dort das Schnitzelzuessen schmecken zu lassen.“

Der Borgsdorf betrachtet die Prüfung der Flugsicherheit und kognitive Fähigkeiten als äußerst wichtig. Er ist sich seiner Limits bewusst: „Ich fliege nur noch mit einem Co-Piloten.“
Solche strenge Sicherheitsregeln gelten nur im Flugverkehr. Im Straßeng Verkehr braucht ein Achtzigjähriger nicht unbedingt eine Prüfung, um festzustellen, ob er immer noch fahrtauglich ist. Die freiwillige Tests Fahrt, bei der sich Petrausch beteiligte, war schlichtweg optional.
Der TÜV-Verein verlangt die Rücknahme der Führerscheine bei Seniorbeteiligten.
Laut dem TÜV-Verband scheitern in Deutschland etwa 30 Prozent der Kandidaten bei der praktischen Fahrprüfung beim ersten Versuch. Bei der Theorieprüfung ist die Rate sogar höher. Sobald man aber diese Herausforderungen überwindet, bleibt der erlangte Führerschein für immer gültig.
Senioren gelten aufgrund ihrer größeren Verwundbarkeit gegenüber Verletzungen mehr als Opfer denn als Täter.
Ulrich Chiellino; ADAC Verkehrspsychologe
Da jedoch die Sichtfähigkeit und Reflexe mit zunehmendem Alter zurückgehen, setzt beispielsweise der TÜV einen Zeitrahmen für die Gültigkeit des Führerscheins. Ältere Menschen müssen entweder ihren Fahrfähigkeitsnachweis erbringen oder das Fühlerschenken abgeben.
Sind Ihre Überlegungen darauf bezogen? Mit zunehmendem Alter nimmt die Eignung zum sicheren Autofahren ab. Menschen imAlter von 75 Jahren oder darüber sind häufiger in Verkehrsunfällen beteiligt und tragen oft den Hauptanteil daran. Ist dies korrekt?
ADAC konstatiert: Senioren gelten mehr als Opfer denn als Verursacher von Unfällen.
Gemäß dem Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2023 Personen im Alter von über 65 Jahren für 18,5 % aller Unfälle mit Personenschäden verantwortlich, die durch Kraftfahrzeuge verursacht worden sind. Dies liegt unter ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, der bei etwa 22 % liegt, wie berichtet auf der offiziellen Seite des ADAC. Der Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino fügt hinzu: “Seniorinnen und Seniorensind vielmehr Opfer ihrer verwundbareren Natur als potentielle Täter.”
Mein Arzt meint, ich sei gesünder als viele 60-Jährige.
Rudolf Petrausch; Unternehmer
Dagegen steht, dass gemäß zusätzlicher Informationen vom Statistischen Bundesamt ältere Fahrer bei einem Unfall in mehr als zwei Drittel aller Fällе hauptschuldig sind. Bei Personen im Alter von über 75 Jahren beträgt dieser Anteil sogar drei Viertel.
Falls Rudolf Petrausch je in einem Unfall involviert ist, hat er sich bereits darauf vorbereitet. “An meinem Fahrzeug befindet sich eine Kamera”, teilt er mit. “Wenn ich unrecht haben sollte, kann ich meine Unschuld durch die Videoaufnahmen nachweisen.”

Selbst wenn die Gegenseite behauptet, dass der Unfall infolge seines fortgeschrittenen Alters passiert sei und sagt: “Der ist ja bereits verwirrt, er sieht nicht mehr klar!”, hat ihn die Kamera tatsächlich schon mal vor dem Verdacht desVersicherungsbetrugs bewahrt.
Wenn wir den älteren Menschen ihr Auto wegnähmen, könnten sie nicht mehr aus dem Haus gehen und würden verkommen.
Jean-Pierre Massenthe; Fahrlehrer
Der 80-jährige hat weiterhin kein Problem mit dem Autofahren. “Ich beschäftige mich noch aktiv mit meiner Arbeit und fühle mich fit genug, um meinen eigenen Betrieb zu leiten und häufig ins Büro in Berlin zu fahren.” Zudem erhält Rudolf Petrausch regelmäßig einen Bericht von der ärztlichen Prüfung für den Flugschein bezüglich seiner kognitiven Leistungen. Dies bringt ihm ein Lächeln ins Gesicht: “Mein Doktor meint sogar, dass ich besser bei Kräften wäre als viele Menschen im sechzigjährigen Alter.”
Jean-Pierre Massenthé spricht ebenfalls zu dem Vorschlag einer obligatorischen Nachkontrolle für Seniorinnen und Senioren aus. Er meint: “Das wäre sicherlich keine schlechte Idee. Allerdings altern wir alle und mit fortschreitendem Alter können Bewegungsschwierigkeiten auftreten. Sollten wir ihnen danach den Zugang zum Auto verbieten, bleiben sie möglicherweise völlig vom Außenleben abgeschnitten und erleiden einen schnellen Verfall.”
Der Fahrlehrer bezweifelt die Durchführbarkeit der Anforderungen.
Darüber hinaus stellt der Schildower die Frage: “Wer soll das durchführen?” Mit diesen Worten deutet Massenthie darauf hin, dass aktuell bereits Behörden und Fahrschulen mit Aufgaben übersät sind. Im Jahr 2023 betragen die Einwohner im Landkreis Oberhavel, die älter als 65 Jahre sind und zugleich befahrugsberechtigtes Führerausweis besitzen, insgesamt 52.840 Personen. Tausenden von Menschen wäre daher ein Fahrlehrer für zusätzliche Schulungen oder praktische Fahrübungen erforderlich.
Sogar wenn dies umsetzbar wäre, bleiben viele Aspekte unklar. Beispielsweise ist nicht festgelegt, ob man die Prüfungen jedes Jahr, alle zwei Jahre oder sogar nur alle fünf Jahre durchführen müsste. Es stellt sich auch die Frage, ob diese Prüfungen mit einer ärztlichen Untersuchung verbunden sein sollten. Und schließlich fehlt Klarheit darüber, ab welcher Altersgrenze solche Maßnahmen erforderlich wären.

Trotz dieses Gesprächs ist Rudolf Petrausch froh, die Prüfungsstraße erfolgreich gemeistert zu haben, wofür ihm der Fahrlehrer seine Anerkennung ausdrückte. Stolzhält er seinen Bescheinigung in Händen. Darin heißt es: „Herr Petrausch, Sie sind ein äußerst sichrer und regelgerechter Fahrer.“ Der Borgsdorffer strahlt übers ganze Gesicht.
