Outline:
Gewinneinbrüche
Automobilbranche im Krisenmodus: Werden nun starke Preisnachlässe folgen?
Europeische Automobilproduzenten sehen zwar eine Erhöhung der Verkäufe, dennoch sinken ihre Gewinne erheblich. Drückende Preise könnten zu Rabatten führen.
Derzeit laufen die Dinge für die europäischen Automobilproduzenten nicht optimal ab: Im ersten Quartal 2025 meldete der VW-Konzern trotz erhöhter Verkäufe eine signifikante Einbuße seines Gewinns. Der Nettogewinn fiel gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vortors um 40,6 % auf etwa 2,19 Mrd. Euro. Bei Mercedes erging es ähnlich; hier reduzierte sich das Geschäftsergebnis um beinahe 43 % auf 1,7 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis erreichte rund 2,3 Mrd. Euro und war damit immer noch fast 41 % niedriger als im Vorjahr. Auch Stellantis (einschließlich Opel und Fiat), sah sich veranlasst, ihre jährlichen Zielvorgaben zu streichen, hauptsächlich wegen der Unsicherheit infolge der zöllerischen Politiken der USA.
Neuwagen teuer wie nie
Im DAT-Report 2024 wird deutlich, dass Neuwagenpreise derzeit extrem hoch sind – sowohl hinsichtlich ihrer absoluten Höhe als auch im Vergleich zum individuellen Einkommen. Vor fünfzig Jahren betrug das Verhältnis zwischen dem Durchschnittspreis eines PKWs und dem mittleren jährlichen Gehalt in Deutschland etwa 38 %. Heutzutage entspricht dieser Wert fast einem ganzen Jahrseinkommen (der Mittelwert liegt bei 55.632 Euro), während ein typischer Neuwagen (mit einem Preis von durchschnittlich 44.630 Euro) annähernd zehn monatliche Gehalte kostet.
Hinter diesem Phänomen verborgen sich u.a. die Inflation, Preiserhöhungen infolge von Krisen, erhöhte Kosten für Elektromobilität, gesetzliche Regelungen sowie Obergrenzen – und das Verschwinden kleiner Fahrzeuge: Diese Modelle sind auf dem Weg der Entwicklung kostspielig und erwirtschaften zu geringe Profite.
Zeit für Rabatte?
Trotzdem führen die ansteigenden Kosten sowie die Unsicherheit zu gewissen Auswirkungen: Im Jahr 2024 wurden etwa 2,82 Millionen Fahrzeuge verkauft, und dieses Jahr könnte die Zahl sogar geringer ausfallen. In den besten Zeiten lagen diese Zahlen bei 3,6 Millionen. Die Autohersteller stehen unter Druck im Wettstreit um Marktanteile, während sie sich mit einer komplexen ökonomisch-politischen Situation konfrontiert sehen: Könnte dies nun mehr Rabattmöglichkeiten für Käufer eröffnen?
Jedenfalls scheint dies zutreffen für eine bestimmte Art von Antrieb. Bereits im Frühjahr hatte Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer vom privaten Center Automotive Research (CAR) vorausgesagt, dass Käufer neuer Fahrzeuge aufgrund steigender Abgaben besonders bei Elektrofahrzeugen rechnen sollten. Ein Grund hierfür ist zum Beispiel, dass Hersteller hohe Bußen riskieren, falls ihre Gesamtproduktion zu viel CO2 emittiert. Wenn diese Schwelle überschritten wird, müssen sie Geldstrafen bezahlen. Deshalb haben die Firmen ein Interesse daran, möglichst viele Elektro- und Hybridmodelle statt Benzin- oder Dieselfahrzeuge anzubieten. Sie werden daher wahrscheinlich attraktive Preisnachlässe anbieten, selbst wenn sich die Nachfrage in Europa erhöht und die Europäische Union möglicherweise diese Vorschriften lockert.
Der Branchenexperte Jürgen Stackmann geht davon aus, dass die Absatzzahlen von Elektroautos quartalsweise steigend verlaufen und im dritten Quartal ihr Maximum erreichen. Zusätzlich sind mehrere preiswürdige Elektromodelle wie der Renault 5 oder der Hyundai Ioniq für weniger als 30.000 Euro dieses Jahr auf den Markt gekommen, wodurch der Druck auf die Preise nach unten tendiert. Im Gegensatz dazu könnten Benzin- und Dieselmodelle möglicherweise teurer werden, um niedrigere Gewinnmargen durch Elektroautoverkäufe auszugleichen – ein Trend, der sich Ende des Jahres 2024 bereits manifestieren sollte. Daher könnte dieser Preisstreit letztlich nur eine begrenzte Anzahl von Käufern profitieren, während bei Volkswagen-Werk Wolfsburg hergestellte Modelle wie Golf, Tiguan und Tayron trotz hoher Nachfrage gegebenenfalls Sonderschichten einführen müssen.
Diese Autos sind sehr begehrt.
Allerdings ist es der gebrauchtwarenmärkte, der wirklich von der Krise profitiert. Die durchschnittliche Altersspanne eines Autos beträgt nunmehr 10,3 Jahre, was ein Rekordhoch darstellt. Gleichzeitig zeichnen sich Fahrzeugen dadurch aus, dass sie langlebiger werden, während Neuwagen zunehmend unerschwinglicher für viele Menschen werden. Diese Entwicklung führt dazu, dass insbesondere die Nachfrage nach gebrauchten Fahrzeugen steigt – mit erheblichen Folgewirkungen: Gemäß einer Analyse des Portals „Autoscout24“ haben die Preise dieser Art von Fahrzeugen seither kontinuierlich zugenommen, wobei diese Steigung nur einmal im April eine kurze Pause eingelegt hat. Dieses Phänomen wird vom Portal mit einer Sommerschwäche in Bezug auf den Absatz erklärt. Der Preis eines typischen gebrauchten Autos liegt heutzutage um etwa 500 Euro höher als vor gerade mal sechs Monaten.
Verwendete Quellen:
- auto-motor-und-sport.de: “DAT-Report 2024”
- autohaus.de: “Automarkt 2025: Das Jahr zweier Sphären”
- focus.de: „Ein starkes Jahr 2025 voraussichtlich: Der Neuwagenmarkt bröckelt weg – Bei gebrauchten Fahrzeugen gibt es einen Aufschwung: Hier sind die Hintergründe“
- Handelsblatt.com berichtet: “Neuwagen: Spezialist erwartet ab 2025 zusätzliche Preisnachlässe für Käufer von Pkw” (gegen Gebühr)
Weitere interessante Artikel:
- Viele Versprechen werden gegeben, aber die Zahlungen sind oft knapp: Fünf gebrauchtwarenfahrzeuge-Käufer im Test – wer bietet tatsächlich einen fairen Preis?
- Auto-Leasing ab nur 100 Euro: Diese Neuwagen sind nun extrem günstig zu haben.
- Quartalszahlen zeigen: Elektroautos erreichen einen neuen Höchststand bei ihrem Anteil am Markt
- So steigen die Preise immer höher an: Die dreisten Tricks der Autohersteller
- Vorsicht, Fallstricke! : Warum Sie bei der Anschaffung eines Autos unnötig viel ausgeben
- Diese Fahrzeuge sind tatsächlich sehr erschwinglich: Neuer Preis-Schock bei der Autoankauf-Überraschung
- Was die starke Erhöhung der Preise für Neuwagen verursacht: Die explosive Zunahme der Kosten bei Neuautos
