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Shanghai. China ist längst das Zentrum der PS-Welt. Und Messen wie die Autoshow zeigen, wohin der Weg geht. Wir stellen die zehn spektakulärsten Neuheiten vor, die auf der Automesse in Shanghai zu sehen sind.
In China werden nicht nur höhere Autoverkäufe erzielt als in jedem anderen Land. Zudem haben chinesische Hersteller innerhalb der Branche eine führende Rolle eingenommen: Kein Markt entwickelt sich schneller hinsichtlich der Hubraumleistung – obwohl Elektroantriebe heute vorherrschen. Während Automobilschauen anderswo zunehmend unwichtig werden, zieht die Autosalonmesse in Shanghai jedes Jahr Millionen von Besuchern an und gilt als bedeutender Industrieereignis. Die Dynamik hat jedoch neue Akteure hervorgebracht: Wohingegen westliche Unternehmen jahrzehntelang die Vorherrschaft hatten, dominieren jetzt lokale Marktteiler wie Nio und BYD. Dennoch beginnen Importfirmen wie Mercedes-Benz-, Audi- oder ähnlicher Marke nach dem Erholungsschock während der Pandemie-Zeit allmählich wieder aktiv am Markt teilzuhaben und präsentieren dieses Jahr einige viel versprechende Neuzulassungen. Hier sind die zehn aufregendsten und bedeutsamsten Modellvarianten:
Mercedes Vision V
Langsam neigen die Tage vorbei zu sein, wo die S-Klasse stets das unerreichte Maß an Perfektion darstellte – insbesondere in Asien. Dort gilt Platz nämlich als echter Luxus, weshalb viele Angehörige der Oberschicht eher einenVan bevorzugen statt eines Sedans für ihre Ausflüge. Diese Einsichten hat nun auch Mercedes-Benz gewonnen und legt eine Untersuchung zur nahe kommenden Generation des V-Klassen-Vehicles vor. Dieser Prototyp trägt den Namen Vision V und misst über fünf Meter Fünfundzwanzig im Gesamtmaß; dabei wird er sowohl wegen seiner Breite von fast zwei Metern als das breiteste Modell innerhalb seines Segments angesehen: Es bietet neben einem kinogroßen Display, welches quer über die komplette Karosserie erstreckt, luxuriöse Liegesessel sowie eine kleine Bar, betrieben von stilllaufendem Elektromotoren aus der jüngsten Produktionslinie samt zahlreich dekorativen Elementen, welche sogar dem Prestige-Marke Maybach würdig sind.
Obwohl es vorgeschlagen wurde, die neue Klasse unter dem Begriff “VLS” einzuführen und diese offiziellenweise als Teil der Personenkraftwagenserie anzusehen, werden die ersten Modelle ab 2026 lediglich leichtere Versionen erhalten. Die Produktion dieser neuen Entwicklungen findet jedoch nicht ausschließlich am Standort Shanghais, sondern gleichermaßen in den Werken in Stuttgart und Salzgitter statt.
Nio Firefly
Nio hat bisher durch Fahrzeuge wie das ET9 einen starken Eindruck hinterlassen, aber die Verkaufszahlen des chinesischen Unternehmens bleiben bislang bescheiden – insbesondere in Europa. Um dies zu ändern, plant der Firmenchef William Li nun eine weitere Marke einzurichten und kündigt daher den elektrogetriebenen Firefly an. Dieses Vier Türers Modell ist 4,01 Meter lang und wird als „Glühwürmchen“ übersetzt. Es soll sich im urbanen Milieu gegen Konkurrenten wie den Mini oder den Fiat 500 behaupten können. In den kommenden zwölf Monaten landet der Wagen auch hier bei uns in Deutschland zum Startpreis von etwa 30.000 Euro auf dem Markt.
VW ID-Studien
VW dominierte lange Zeit den Markt in China als führender Hersteller – bis die Niedersachsen plötzlich von BYD abgelöst wurden. Jetzt streben sie an, mindestens die Spitze unter den internationalen Marken zu halten und planen innerhalb der kommenden beiden Jahre über 30 neue Fahrzeuge einzuführen. Um dies vorzustellen, stellen sie in Shanghai drei Konzeptmodelle vor: ID.Evo, ID.Aura und ID.Era. Diese Modelle zielen auf verschiedene chinesische Kundensegmente ab. Aber warum sollten wir Europäer daran Interesse haben? Weil es sich bei diesen Modellen um die ersten Elektrofahrzeuge von VW handelt, die eine 800-Volt-Ladetechnologie verwenden, welche schnelles Aufladen ermöglicht. Darüber hinaus spielt VW im ID-Era zum ersten Mal mit dem Konzept eines Range Extenders, wo ein kleiner Benzinmotor während der Fahrt Strom zur Antriebsbatterie produziert. Dadurch wird die relativ geringe elektromotorische Reichweite von 300 km ergänzt, wodurch eine Gesamtreichweite von mehr als 1000 km erreicht werden kann. Obwohl dieses System bereits häufig in China verwendet wird, ist seine Bekanntheit in Europa bisher eher bescheiden gewesen – doch durch die VW-Konzepte könnte sich dies bald ändern.
Audi E5 Sportback
Genauso wie bei Volkswagen Muttergesellschaft, hat auch die Tochtergesellschaft Audi in China schwer gelitten und verliert langsam an Bedeutung. Aus diesem Grund arbeiten die Bayern gemeinsam mit ihrem Partner SAIC daran, etwas Neues zu kreieren und eine eigene Marke speziell für den chinesischen Markt einzuführen: Diese neue Marke wird vollständig in Großbuchstaben dargestellt und über einen eigenen Designsinn verfügen – zum allerersten Mal jedoch werden keine vier Ringe verwendet. Das Vorzeigeexemplar dieser Serie ist ein Sportback mit dem Beinamen E5, dessen Reichweite durch die Nutzung einer Plattform von SAIC auf bis zu 750 Kilometern erreicht. Zudem kann man ihn innerhalb von zehn Minuten um etwa 400 Kilometer aufladen und sein Innenraumdesign entspricht völlig neuartigen Konzepten. Obwohl dieses Modell wohl nie seinen Weg nach Europa finden wird, möchten die Bayern das Tempo ihrer Entwicklungen ins Heimatland zurückbringen und dadurch ihren lokalen Produktportfolio rascher Zukunftssicherung gewährleisten.
Zeekr 9X
Bisher war die chinesische Schwestermarke von Volvo, Zeekr, bekannt für ihren kleinen Wagen X sowie das große Crossover 001. Nun strebt dieser Newcomer jedoch nach mehr und präsentiert den 9X – ein beeindruckendes Full-Size SUV, das sowohl einem Mercedes GLS als auch einem Rolls-Royce Cullinan ebenbürtig sein soll. Mit einer Länge von 5,30 Metern bietet der 9X eine Wahl zwischen rein elektrogetrieben oder mit Range Extender und ist selbst im Sprint vom Stillstand auf 100 km/h innerhalb weniger Sekunden unterwegs. Der angegebene Reichweitensatz liegt bei bis zu 900 Kilometer, während Experten vermuten, dass der Preis knapp unter dem Markstein von 100.000 Euro liegen wird, wenn man ihn umrechnet.
Denza Z
Bislang waren die europäischen Sportwagen gegenüber Wettbewerbern aus China immun, doch nun stellt die prestigeträchtige Schwestermarke von BYD, Namens Denza, mit ihrem Modell Z eine Bedrohung dar – sogar für das ikonische Porsche 911. Dieses zweitälrig coupéartige Fahrzeug mit Platz für vier Personen verfügt über drei Motoraggregate, welche insgesamt 875 kW / 1190 PS leisten. Es benötigt less als drei Sekunden, um von null auf 100 km/h zu beschleunigen und kann Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h erreichen. Der Basis Preis liegt knapp unter den 40.000 Euro inklusive der Kfz-Steuer.
Maextro S800
Widerstandslos erscheinen sogar eine Rolls-Royce und ein Maybach klein neben ihm. Schließlich prahlt der Maextro S800 mit einer Länge von 5,48 Metern und positioniert sich somit als die größte Limousine aus China. Dieser Luxuslimousine, das Ergebnis eines Joint Ventures zwischen dem Telekonzernen Huawei und dem Automobilproduzenten JAC, kommt nicht nur durch ihre Größe, ihren Prunk und ihr Ausmaß zu Worte. Für einen Preis von etwa 132.000 bis 198.000 Euro bietet sie denselben funkelnden Glanz wie die britischen Konstruktionen, mehr Annehmlichkeit als die schwäbische Variante und zusätzlich noch ein spezielles Feature an Bord. Da die Hinterradschlüsselung wesentlich agiler ist als bei Mercedes’ S-Klassenmodellen und anderen vergleichbaren Modellen, schwingt sich der S800 im Montagefilm regelrecht unter stehenden Maybachs hindurch und übertrifft diese europäischen Konkurrenten deutlich hinsichtlich dieser Fähigkeit.
Xiaomi SU7 Ultra
Keiner der aktuellen Automobilhersteller in China geniebt derartige Beliebtheit wie Xiaomi, das sich zunächst eine Position als asiatische Alternative zu Apple aufgebaut hatte. Seitdem das Unternehmen jedoch begonnen hat, den Gran Turismo SU7 herzustellen, haben Wettbewerber wie der Porsche Taycan nur noch geringe Aufmerksamkeit erhalten. Nun geht Xiaomi einen Schritt weiter mit dem SU7 Ultra: In seiner obersten Ausführung bieten seine dreiMotoreneine Leistung von 1138 kW / 1548PS, erreichen Beschleunigungswerte unter zwei Sekunden und verfügen über eine Höchstgeschwindigkeitvon 350km/h.DarüberhinaushabendieseChinesenvor KurvenverkehrundReifenwechsel bereits sämtlicheRennbahnenrekordenerschüttert.ZudemistderSU7UltraausSichtderGrundparameterfastbereitsindieseinGünstigkeitaufzuweisen:BeeindruckenderalsBugattiiUndschnellerwiePorsche911inderOberspezifikation,wirdesinChinaabumgerechnetungefähr75.000Euroangeboten.
Smart #5
Scheinbar ist die Zeit, als Smart noch ein Stadtcar war, definitiv vorbei. Seither die Chinesen die Kontrolle über den ehemaligen Mercedes-Bruder übernommen haben, produzieren sie ausschließlich Crossovers oder SUVs und präsentieren nun mit dem Modell #5 ihre größeren Versionen. Bei einer Länge von 4,70 Metern ist dieser Vehicle beinahe doppelt so lang wie der eingestellte Fortwo und bleibt vollständig elektroangetrieben. In Deutschland lässt sich dieses Fahrzeug seit Beginn des Monats für etwa 45.900 Euro bestellen. Dadurch beträgt sein Preis ungefähr zehn Prozent mehr als beim #1, welcher vor drei Jahren die Neuorientierung der Marke initiiert hat.
Chery Flugauto
Dort gibt es immer noch Leute, die behaupten, den Chinesen fehlt die Phantasie und Kreativität: Während hier ständig wieder eines Projekte bankrott geht, präsentieren sich auf der Autoshow sechs neue Flugauto-Muster von verschiedenen Ausstellungsstandplätzen, einschließlich des Herstellers Chery. Diese Modelle sind natürlich alle nur Entwürfe, und viele Prototypen haben bisher auch keinen Flugversuch unternommen. Dennoch glaubt niemand in China wirklich daran, dass diese Luftfahrzeuge in naher Zukunft keine Seltenheit sein werden und tatsächlich ihren Dienst tun werden. Schon aus diesem Grund hat das Regierungsprogramm in Peking Milliarden für solche Vorhaben bereitgestellt. Wer jedoch weiterhin skeptisch ist, wird darauf hingewiesen, dass sogar Experten wie der pekinische Automobil-Journalist Henry Yu daran zurückdenken lässt, was vor 10 oder 20 Jahren auf chinesischen Autobörse gezeigt wurde: „Niemand damals hätte geglaubt, dass all diese Elektrosportarten einmal serienmäßig produziert würden. Heute fahren wir praktisch kein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor mehr.“
(dpa)
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