Stilles Sterben in thüringischen Wäldern – sichtbar in allen Altersklassen

Die Wälder in Thüringen hatten es in der Vergangenheit deutlich besser. Waldbrände, Borkenkäfer und Trockenheit – die extremen Bedingungen der letzten Jahre haben ihnen stark zugesetzt. Jetzt zeigt sich auch ein unscheinbarer Pilz als sehr schädlich für Bestände einer bestimmten Baumart. Doch noch besteht Hoffnung.

Die Eschen in Thüringen geraten zunehmend in Schwierigkeiten. Dies teilten der Naturschutzverband NABU und das Landesforstamt Thüringen gemeinsam mit den Ergebnissen der Bundeswaldinventur am Dienstag (13. Januar) mit.

Thüringen: Eschen unter Druck

„Das Eschentriebsterben ist mittlerweile in allen Altersgruppen der Bäume erkennbar und stellt eine große Bedrohung für die Gemeine Esche dar“, erklärt Jürgen Ehrhardt, Sprecher des Naturschutzverbands Nabu Thüringen.

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Auch die Landesforstanstalt ThüringenForst bestätigt diese Entwicklung: Zwischen den Bundeswaldinventuren 2012 und 2022 sei eine Fläche von etwa 2.500 Hektar bei der Esche verloren gegangen. „Der zweithöchste Rückgang nach der Fichte“, erläutert Horst Sproßmann, Sprecher von ThüringenForst.

Esche bedeutend für Lebensräume

Dabei hat die Baumart eine entscheidende Bedeutung, sowohl für die Natur als auch für den Menschen, so die Experten einig. Die Esche schaffe Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere, ihr Blätterabfall sei förderlich für den Boden und die darin lebenden Organismen, erklärte Erhardt. Außerdem spiele das starke Wurzelsystem des Baumes eine wichtige Rolle im Ökosystem, fügte Sproßmann hinzu.

Bevor die Krankheit auftrat, die die Bäume beeinträchtigt, hatte die Esche eine entscheidende Rolle bei der Anpassung der Wälder an den Klimawandel gespielt. Der Grund dafür: Sie ist widerstandsfähig gegenüber Trockenheit und kann in verschiedenen Standorten wachsen. Zudem sei ihr hochwertiges Holz ein wichtiger Rohstoff, so Sproßmann. Das zuverlässige Holz wird beispielsweise für Werkzeuggriffe, Sportgeräte und als Parkett- und Möbelholz genutzt.

Kleiner Pilz, große Bedrohung

Der Ausbruch des „Eschentriebsterbens“ wurde mittlerweile auf den asiatischen Schlauchpilz „Falsches Weißes Stängelbecherchen“ (Hymenoscyphus fraxineus) zurückgeführt. Laut Sprecher der ThüringenForst, Sproßmann, wurde der Pilz erstmals 2009 im Forstamt Bad Berka in Thüringen nachgewiesen. In Deutschland sei er erstmals 2002 in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt worden. Seither habe sich der Pilz im Freistaat flächendeckend in allen Eschenbeständen ausgebreitet. Ab 2010 gilt daher im Landeswald ein Verbot für die Anpflanzung von Eschen.

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Trotzdem ist es äußerst wichtig, vorhandene Exemplare so lange wie möglich zu bewahren, sagen die Experten einstimmig. „Wenn noch gesunde oder nur leicht beschädigte Eschen gefällt oder gar in großem Umfang gerodet werden, entzieht man den Bäumen die Möglichkeit, sich auf natürliche Weise evolutionär anzupassen“, erläutert der Nabu-Sprecher Erhardt.

Chance zur Resistenzbildung ermöglichen 

Flächendeckende Sanitätsmaßnahmen – also das Fällen von toten oder kranken Bäumen – oder das vorbeugende Entfernen von Eschen aus dem Wald seien falsche Vorgehensweisen. Es sei sinnvoll, den vorhandenen Bäumen mehr Raum für ihre Entwicklung zu geben, fügt Sproßmann hinzu; beispielsweise indem andere „bedrängende“ Baumarten in der Nähe entfernt werden.

Auf diese Weise erhält die Esche die Möglichkeit, sich durch Anpassung effektiver gegen den Pilz zu verteidigen und möglicherweise resistentes Saatgut zu produzieren. Eine Entnahme sollte erst erfolgen, wenn die sogenannte Stammfußfäule sichtbar ist. Dies sei eines der ersten Zeichen für ein schnelles Versterben des Baumes.

Forschungsprojekt soll helfen 

Dass die Esche in der Lage ist, sich selbst zu schützen, wird in der Praxis deutlich: Auch in bereits geschädigten Eschenbeständen finden sich immer wieder gesunde und kräftige Einzelbäume, sogenannte „tolerante Eschen“, wie die Fachleute erklären. Vermutlich besitzen diese Bäume eine genetische Abwehr gegen den Pilz.

Die natürlichen Vorgänge würden durch wissenschaftliche Untersuchungen gefördert. Somit wird das nationale Forschungsprojekt „FraxForFuture“ ab November 2025 vom aktuellen Projekt „FraxRecovery“ fortgesetzt, das vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat mit 7,2 Millionen Euro unterstützt wird.

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Der vielversprechendste Kandidat für die biologische Bekämpfung des Eschentriebsterbens ist derzeit das Bakterium „Schauerella fraxinea“, das das Wachstum des Schlauchpilzes hemmen kann. In Bayern wurde zudem die erste Saatgutplantage mit „toleranten Eschen“ eingerichtet, um daraus widerstandsfähiges Saatgut in größeren Mengen zu gewinnen, wie Sproßmann berichtet. Die Unterstützung der bestehenden Populationen zusammen mit den Erkenntnissen aus der Forschung zeigen bereits positive Ergebnisse. „Die Esche hat eine Zukunft in Thüringens Wäldern“, ist sich Sproßmann sicher. (dpa, bp)