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Astronomische Preise
Ein amerikanisches Start-up plant ein Hotel auf dem Mond – wie realistisch ist dieser Plan?
Ein amerikanisches Start-up plant das erste Hotel auf dem Mond – und nimmt bereits Buchungen entgegen. Der Preis dafür ist unglaublich hoch.
Frankfurt – Seit dem Jahr 1972 hat niemand mehr denMondbetreten. Doch während die amerikanische RaumfahrtbehördeNASA und China an neuen Mondmissionen arbeiten, entwickelt ein amerikanisches Start-up bereits Pläne für den Weltraumtourismus jenseits der Erde. Das US-Unternehmen GRU Space hat ein ehrgeiziges Projekt angekündigt: den Bau des ersten Hotels auf dem Mond. Interessenten können bereits jetzt Buchungen tätigen – zu einem hohen Preis. Zwischen 250.000 und einer Million US-Dollar beträgt die Kosten für die Chance auf einen Platz in der geplanten Unterkunft, wieauf der Firmenwebsite zu lesen ist.
Die Abkürzung GRU steht für „Galactic Resource Utilization“, was die umfassenden Ziele des Unternehmens unterstreicht. Der Mond ist dabei nur der erste Schritt. Der tatsächliche Aufenthaltspreis für das Mondhotel wird vermutlich noch viel höher sein. „Der endgültige Preis ist noch nicht festgelegt, wird jedoch voraussichtlich 10 Millionen Dollar übertreffen“, teilt das Unternehmen auf seiner Website mit.
Zimmer im Hotel auf dem Mond: Die erste Version des Hotels ist eine aufblasbare Einrichtung für vier Personen
Der Plan von GRU Space sieht vor, im Jahr 2029 zunächst eine zehn Kilogramm schwere Testlast mit einem kommerziellen Mondlandefahrzeug zu platzieren. Dabei soll die Funktionsfähigkeit einer aufblasbaren Konstruktion gezeigt und gleichzeitig die Umwandlung von Mondgestein in Baustoffe getestet werden. Eine zweite Mission wird eine größere aufblasbare Struktur zum Mond bringen.
Das eigentliche Hotel, ebenfalls als aufblasbares Gebäude konzipiert, soll im Jahr 2032 zum Erdtrabanten starten und Platz für vier Personen bieten. In späteren Stadien plant das Unternehmen eine dauerhafte Anlage aus Mondziegeln. Skyler Chan, der Gründungschef von GRU Space, erläutert die Motivation hinter dem Projekt: „SpaceXerrichtet FedEx, um uns zu bringen, aber es muss ein Ziel geben, das es wert ist, dort zu bleiben.
Ein Hotel auf dem Mond – ist das überhaupt realistisch?
Der erfahrene Weltraumjournalist Eric Berger nennt das Projekt in einem Artikelbei Arstechnicaals „unrealistisch“ bezeichnet, ergänzt jedoch: „Aber es ist nicht grundlos.“ Die aktuelle Entwicklung in derRaumfahrtbietet Anlass zu vorsichtiger Hoffnung:Private Unternehmen entwickeln Mondlandegeräte, SpaceX entwickelt das „Starship“ für den Massentransport ins All, und die NASA bereitet mit Unterstützung der Wirtschaft neue Mondmissionen mit Besatzung vor.
Der Mond als Reiseiel?
Wie attraktiv wäre es, für Millionen auf dem Mond Urlaub zu machen? Ein Blick auf die Bedingungen auf dem Erdtrabanten: Es ist zwei Wochen lang hell, dann zwei Wochen lang dunkel und entweder sehr heiß (bis zu 123 Grad Celsius) oder extrem kalt (bis zu -233 Grad Celsius). Sauerstoff und Wasser sind ebenfalls nicht vorhanden. Dafür könnte man – je nach Region – einen beeindruckenden Blick auf den sogenannten „earthrise“ genießen, also den Aufgang der Erde. Zudem ließe sich der Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung und störende Atmosphäre betrachten. Allerdings müsste man stets einen Raumanzug tragen, wenn man im Freien unterwegs ist.
„Einen bewährten Markt auf den Mond ausweiten“ – und anschließend geht es weiter zum Mars
Die zentrale Frage bleibt jedoch: Wer wird das Mondhotel nutzen? Chan sieht die Antwort in einer neuen Wirtschaftsbranche: „Mir wurde bewusst, dass wir eine dritte Säule benötigen: die Raumtourismus-Branche“, erläutert er gegenüber dem Raumfahrtjournalisten Berger. „Wir könnten einen etablierten Markt auf den Mond verlagern und dort das erste Hotel errichten. Und sobald wir das Hotel auf dem Mond gebaut haben, können wir unsere Strukturen ausbauen, also Straßen, Lagerhallen und Basislager. Danach könnten wir das auf dem…“Mars wiederholen.“
Zugegeben: Die Idee klingt sehr weitreichend und erscheint in dem geplanten kurzen Zeitraum wohl kaum umsetzbar. Doch man sollte auch bedenken, dass die Wiederverwendung von Raketen vor 2015 als unpraktisch galt. Dann gelang die erste Landung einer „Falcon 9“ auf der Erde. Heute ist diewiederverwendbare Rakete von SpaceXdie am häufigsten gestartete Rakete der Welt und einewichtige Säule der Raumfahrt– auch die NASA verlässt sich darauf.(Quellen: GRU Space, Arstechnica, eigene Recherche) (tab)
