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Pferde erkennen menschliche Gefühle nicht nur an Stimme und Körpersprache, sondern auch an Gerüchen.
Ein unangenehmes Gefühl im Reitunterricht. Die Hände werden feucht, der Puls erhöht sich. Und plötzlich wirkt auch das Pferd nervös, zögert und tritt zurück. Viele Pferdebesitzer kennen diesen Moment, wiePETBOOK (zu Axel Springer gehörend) berichtet. Jetzt zeigt eine neue Studie: Pferde erkennen nicht nur unsere Angst, sondern riechen sie auch.
Pferde werden als äußerst empfindsame Tiere angesehen. Schon seit vielen Jahren wird gesagt: Sie sind der Spiegel der Seele. Wer mit ihnen arbeitet, erlebt dies immer wieder. Wenn der Mensch unsicher ist, zeigt sich das Tier ebenfalls angespannt. Doch wie erkennen Pferde diese Emotionen? Nicht nur durch Stimme oder Körpersprache, sondern auch über Gerüche.
Warum Gerüche für Pferde von großer Bedeutung sind
In der Tierwelt haben Gerüche eine entscheidende Bedeutung. Sie dienen als Warnsignal, bieten Orientierung und fördern Vertrauen. Auch Menschen senden durch ihren Schweiß unbemerkt Botschaften aus. Emotionen wie Angst, Stress oder Freude verändern den Körpergeruch messbar. Bei Hunden ist dies bereits bekannt. Neue Erkenntnisse zeigen nun: Auch Pferde reagieren darauf.
Angstschweiß für die Forschung
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Plotine Jardat untersuchte diesen Effekt erstmals umfassend. Die entsprechende Studie wurde am 14. Januar 2026 in der Fachzeitschrift veröffentlicht.PLOS ONEveröffentlicht und ist die erste ihrer Art. Für die Forschung wurden 43 Welsh-Ponystuten ausgewählt. Sie wurden zufällig in drei Gruppen unterteilt.
Einige Personen rochen den Geruch von Menschen, die zuvor Angst empfunden hatten. Eine weitere Gruppe atmete den Schweiß von Menschen in guter Stimmung ein. Die dritte Gruppe war die Kontrollgruppe und bekam geruchsfreie Proben.
Weitaus mehr Stress bei Angstgeruch
Das Ergebnis ist eindeutig. Pferde, die Angstschweiß rochen, zeigten deutlich mehr Unruhe. Sie hielten größeren Abstand zum Menschen und suchten seltener Nähe. In Tests mit unbekannten Gegenständen waren sie wacher und blickten länger darauf.
Besonders auffällig war die Reaktion auf einen plötzlich aufspringenden Regenschirm. Pferde aus der Angstgruppe zeigten eine stärkere Reaktion. Ihre maximale Herzfrequenz war deutlich höher als bei den anderen Tieren. Ein eindeutiges Zeichen für Stress.
Der Cortisolspiegel als Stresshormon veränderte sich hingegen kaum. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieser Wert langsamer auf Veränderungen reagiert. Die direkte Reaktion zeigte sich insbesondere im Verhalten und im Herzschlag.
Was dies für die Behandlung von Pferden bedeutet
Die Forschung zeigt: Pferde können Angstgerüche von Menschen wahrnehmen. Und sie reagieren darauf. Mit vermehrter Aufmerksamkeit, Unsicherheit und Rückzug. Für Pferdehalter bedeutet dies: Die eigene innere Situation hat eine größere Bedeutung als vermutet. Wer nervös oder ängstlich ist, sendet Signale aus – ohne ein Wort zu sagen. Pferde nehmen diese wahr.
Pferde hören nicht nur. Sie beobachten nicht nur. Sie riechen, was in uns geschieht. Angst bleibt für sie nicht verborgen. Wer mit Pferden arbeitet, sollte dies wissen. Denn innere Unruhe dringt ein. Still. Unsichtbar. Doch mit spürbaren Auswirkungen.
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